Dienstag, 10. April 2007

Sein lassen

Wenn ich dich sein lasse
Wie du bist
Werde ich dich eines Tages
Auch sein lassen können
Den Tag den ich nicht wünsche
Doch der kommen kann
Orange - Weinrot

Warten

Vielleicht ist Liebe
Warten zu können
Bis deine Gier
Die meine trifft
Die immer da ist
Die immer wartet
Auf dich?
Vielleicht ist Liebe
Geduld

Montag, 9. April 2007

Füllung

Manchmal scheint
Mein Leben
Nur die Füllung
Zwischen
Dem Wichtigen
Zu sein

Inseln 1

Wir können noch so lange an die Striche unserer Sehnsucht schippern, niemals werden wir den Horizont erreichen, immer bleibt er unsere Ziel, auf ewig unerreichbar und ist die Liebe. Schiffe können an ihm vorbeiziehen, manchmal durch die Sonne, kurz bevor sie untergehend das Meer zum Glühen bringt und noch den weissesten Dampfer schwarz brennt.

Auch nach dem Berg, der ein naher Horizont ist, kommt der nächste, ein Horizont nach dem anderen, bis wir wieder Meer sehen, oder es sehen könnten, wären da nicht die Nebel über den Flüssen, die ihre Heimat, das Meer suchen, um dort im Horizont aufzugehen. Irgendwann.

Am schlimmsten sind Westhorizonte. Erst in Pismo - Beach (CA) am Pacific habe ich eines Morgens begriffen: könnte ich jetzt schneller als die Sonne den Ozean überquert, ihn durchschwimmen, ich würde im Osten ankommen. Wer aus dem Osten kommt, hat den Westen als Ziel und kommt immer wieder in ihm an. Ein Schicksal, mit dem nicht zu hadern wir lernen sollten. Weil Sonnenaufgänge schöner sind. Das flammende Meer versteht jeder. Sunsetcruising geht einem Spiesserleben voraus. Die Lust daran vergeht einem spätestens, hat man mal die unzähligen Puntos mit Knutschenden an Italiens Westküsten gesehen.
Tagesanbrüche sind härter. Wenn das Licht durch Rügens Bäume zu dir fällt; für einmal am Tag der Bodden funkelt, der sonst schwarze.

Wer Träume realisiert zerstört sie. Selbst Maserati fahren ist anders als davon träumen. Schon weil man ihn nicht sieht, sitzt man in ihm.
Am Horizont taucht also eine Insel auf. Unsere Sehsucht wird habhaft und betretbar.

Kann man Träume betreten?

Ja, wenn sie eine Insel ist und bleibt und wir sie nicht für den Horizont halten. Wie im Maserati sind wir nur für andere im Horizont angekommen, hat sich unsere Sehnsucht gestillt. Nur für die anderen. Wir glauben ja nicht mal denen, denen wir hier auf der Insel begegnen, dass sie wissen was sie tun, wo sie sind, dass sie nicht nur so tun, als seien sie angekommen wie wir, die diese Mischung aus brandendem, leicht salzigem Wasser, Sand und seinem Dorn und Kiefern in denen der Wind spielt, ab und an zum Lben brauchen.

Inseln sind keine Horizonte, aber ferne Punkte an den Rändern der Meere unserer Leben, die sehnsuchtsvolle Horizonte sind, lassen wir die Mauern mal fallen und wagen den Blick über die Hecke.
Leben heisst wagen. Und füllen uns mit Kraft aus salziger Luft auf den Insel, auf die wir immer wieder gehen sollen. Leben ist wagen. Leben ist versprechen. Leben ist Verantwortung tragen.
Und auf der Insel läuft der nächste Horizont schon wieder an uns vorbei. In orange weinrot gekleidet. Schwarz das Haar. Leben heisst wagen. Leben heisst tragen. Leben heisst spielen. Das Geheimnis liegt in der Reihenfolge.

Fleisch

Spätestens
Am zweiten Tag
Riecht man
Den Tod des Tieres
Welches in Scheiben nun
Im Kühlschrank
Liegt

Sonntag, 8. April 2007

Schwere

Du sagst Du bist so schwer
Liegst du am Strand
Sinkst in den Sand
Und nichts Dich hält
Fällst durch die Welt

Hüte

Es zieht am leeren Busbahnhof
Auf Rügen
Der Bus bleibt warm
Geschlossen vor uns stehen
Wie früher

Mir ist kalt so ohne Hut
Der mit dem Nachtzug zurück fährt
In die Schweiz
Er will endlich nach Hause
Gekauft in San Diego
Genäht in China
Sind Hüte nicht zum Reisen da
Sondern zum Tragen

Nachtzug 2

Wir werden sie vergessen haben
Die Stunden
Erwacht aus dem Schaukeln der Weichen
Durch den hellen Tag und seinen flachen Wolken
Die uns durchs Oberlicht des Wagens greifen

Im Halbschlaf sehen wir hinaus
In fremde flache Landschaft
Trinken den Kaffee der so grusig ist
Wie das Brot
Und wissen nicht wie uns geschieht
Mit der Weite die wir durchqueren

Das schöne Gefühl des Nachtzugs
Ist dahin wir können lesen wo wir sind
Und wissen es doch nicht
Nur dass es noch Stunden bis zum Ziel sind
Zeit die uns bleibt
Zum Spielen mit dem versteckten Lavabo
Und Kaffeeholen bei der angehängten Konkurrenz
Der auch nicht besser ist.

Leer sind die Stunden nicht
Voll der leeren Landschaft
Die wir durchqueren
Wir würden sie vergessen
Schriebe ich sie nicht jetzt
Und verpassen fast den Ausstieg
Am Ziel

Nachtzug

Ich geniesse uns
Während du dich
Auf mir
Zu Dir reitest

Draussen huscht Deutschland
Vorbei

Ich weiss wie viel
Ich lebe
Durch dich
Und
Wie viel ich lebte
Vor dir
Und
Wie viel nicht

Glück und Trauer

Grausam Schön (Sonnenmond 2) 08.04.2007

Während blass und riesig
Faltig von der langen Nacht
Der mehr als Halbmond
Kalt ins Meer vor Dänemark taucht

Leuchtet Rügen blassorange auf
Und die Sonne nimmt sich den Tag
So schwach weiss
Dass ich ihr ins Gesicht sehen kann

Ich erlebe die Stunde des Sonnenmonds
Wiederholt grausam Schön
Grausam schön das Leben
Und grausam wahr

Wie kommt der Sonnenmond ins Meer? (c.a.04/2005)

Der Sonnenmond strahlt
Endlos spiegelnd
Über dein Meer
Heizt seine Nacht
Bis es sich dampfend erhebt
Aus seinem Bett
Und vor ihn legt
Als Wolke
Gemacht aus einem Ocean

*

Die grosse Ebene
Wo grad noch Meer war
Wird Kullerplatz für ihn
In den er sinkt
Sich ausrollt
Golden fliessend
Auf deinem Meeresgrund

*

Allein am Himmel
Wird es dir kalt
Als Ozean aus Flocken
Schneist Du zurück
Bedeckst den Sonnenmond
Schmilzt an ihm
Füllst dein Meer neu


*
Und siehe da
Der Mond schwimmt
In dir leuchtend
Erzeugt er den Golfstrom
Macht er dich so komplett
Wie du ihn umhüllst
Überall wo er ist
Bist du um ihn
Wenn er leuchtend
Durch dich rollt
Das Meer erwärmt
Das ihm Leben gibt
Das aus dir steigt

Samstag, 7. April 2007

Hüte

Das Wichtigste
An einem Hut
Ist die Möglichkeit
Ihn zu verlieren

Anbaden

Meine Chance
Vor dir
Und deine Chance
Vor mir

Du bist mir kein
Zuschauer

Horizonte

Und irgendwann bemerkte er, es ging nur um Horizonte. Angefangen von dem recht engen, durch Kreidezungen eingefassten, der Ostsee, über den weitenden von den Hügeln auf Radtouren um die Heimatstadt im Tal, Rundhorizonten von kleinen Inseln später, einer Welt aus Wasser im einmal um sich selbst drehen, bis zu Alpenketten deren Grate den Himmel zerrissen und dann dem Gotthard an sich.
Was dann schon kein Horizont mehr war, man lebte in ihm. Lief auf ihm, um frische Milch beim Käser zu holen.

Es gab auch Zeiten ganz ohne.
Zeiten wo sein Blick zu klein war, um Himmel zu sehen. Sehnsucht schon in einem nachts vorbeifahrenden Auto lag. Hinter der dem Zaun der Kaserne. Zeiten ohne Horizont, mit Stücken Hofhimmel von der Terrasse einer Eigentumswohnung oder dem über Hecken, der zeigt, wie dumm sie sind.
Zeiten, mit Himmel durch das Glasschiebedach, in denen er die brennenden Vogesen bei Tempo zweihundert in den Sonnenuntergang von der Rheintalautobahn aus fotografiert hatte.

Jetzt sah er im Mondlicht die Line des Feldes gegen den Himmel.
Südbalkon.
Nordhang.
Der Horizont nun nah aber endlich wieder weit. Man weiss nur und sieht nicht, hinter der sanften Linie, leuchten die Alpen blau im Mond.
Aber vor allem, Horizont war wieder da. Das schien im plötzlich wichtig.
Du musst die ewige Sehnsucht nicht sehen.
Du hast sie.
In dir.
Lauf auf der Linie deiner Sehnsucht.
Lauf auf dem Horizont.

Mittwoch, 4. April 2007

Rücksichtslos

Der Dreissigjährige
Ist rücksichtloser
Als der Vierzigjährige
Auch wenn der
Rücksichtsloser ist

Hochzeit

Es quillt aus uns das viele Licht
Im Dunkeln tappend sehn wirs nicht
Die Egos stehen zwischen uns
Und werfen lange Schatten
In den frieren wir Gatten

Dienstag, 3. April 2007

Spass und Spiel

Mein Spass
Ist oft
Das Spiel
Mit den Lügen
Der Anderen

Ein stehendes Messer
In das sie laufen

Montag, 2. April 2007

Eins

Auch wenn wir
Unter einem Dach
Auf einem (Riesen)-Sofa
Sitzen
Von einem Tisch
Essen
Und uns in einem Bett
Vielleicht sogar ein Kind
Machen
Müssen wir
Wissen
Das wir zwei
Sind

Eins hat zu wenig Respekt
Voreinander
Wir sind auch wer
Ohne den anderen
Ohne den wir nicht
Leben
Wollen
Aber
Können

Das ist
Wissen
Nicht
Drohen

Nordhang

Die Weite ist jetzt der Himmel
Der Horizont eine weiche Linie
Weit geschwungen vor deiner Nase
Ein Bergrücken in den drei Apfelbäume ragen
Traurig wie ein Porzellandekor
Links und rechts Wälder mit ihren Geräuschen
Hier muss man erst mal leben
Das muss man können